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Dienstag, 7. Mai 2013


Es war einmal… Märchen lebendig erzählen

Zusammenfassung der LP Weiterbildung an der PH SH mit Yvette Padovan

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Fantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es. Es kostet nichts, im Gegenteil, wer es seinen Kindern schenkt, bekommt dafür sogar noch etwas zurück: Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes. Dieses unbezahlbare Zaubermittel sind die Märchen, die wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen. Märchenstunden sind die höchste Form des Unterrichtens.

Das Lernen funktioniert bei Kindern (wie bei Erwachsenen) immer dann am besten, wenn es ein bisschen „unter die Haut geht“, wenn also die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert werden und all jene Botenstoffe vermehrt gebildet und freigesetzt werden, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern. …
sagte der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther am Märchenkongress in Bad Karlshafen im Herbst 2005, der ganze Text ist auf http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/texte/maerchen-gerald-huether/index.php nachzulesen.

Der Tag mit Y. Padovan ging mir wirklich unter die Haut, auf der Heimfahrt wünschte ich mir, meine Spielgruppenkinder wären schon etwas älter, damit ich das Gelernte für sie umsetzen könnte.

Märchen sollten immer am Stück erzählt werden. Damit keine unerlösten Bilder zurückbleiben, muss das Kind die Erlösung mitbekommen, sonst können Ängste entstehen. Um ein ganzes Märchen zu hören, muss sich das Kind ein Weilchen auf die Geschichte konzentrieren können,  bei den meisten Kindern ist dies ab ca. 4 Jahren der Fall. Sollte das Kind noch unruhig sein, lieber noch etwas mit Märchenerzählen warten. Für Kinder von 4 – 6 Jahren empfiehlt S. Wanzek die folgenden Märchen: Der süsse Brei; Sterntaler, der Froschkönig, Rumpelstilzchen, Dornröschen, der Wolf und die sieben Geisslein, Frau Holle, die sieben Raben, Rapunzel, die Wichtelmännlein, die Alte im Wald, das Eselein. Diese Märchen sind eher kurz, die Handlungen einfach mit einem klaren Weg des Helden/der Heldin.

Kinder ab 6 Jahren können bereits längere Märchen mit einem roten Faden durch mehrere
Verwicklungen hindurch verfolgen.  Dazu zählen z. B. Schneeweisschen und Rosenrot,
Schneewittchen, das tapfere Schneiderlein, König Drosselbart, Aschenputtel, etc.
Hänsel und Gretel und Rotkäppchen können zu Angstmärchen werden, wenn sie zu früh
erzählt werden.

Ab der 2. oder 3. Klasse können Kinder Witze und Ironie verstehen und auch mit vielen
Verwicklungen umgehen, sie können einem Märchen während 20 – 25 Minuten folgen.
Passende Märchen für dieses Alter sind: Der Eisenhans, der Teufel mit den 3 goldenen Haaren, die Gänsemagd, Jorinde und Joringel, etc.

 Auch die Grausamkeit im Märchen war ein Thema in unserem Kurs. Wie schon B. Bettelheim in seinem Buch: „Kinder brauchen Märchen“ kamen wir zu dem Schluss, dass es für die Kinder wichtig ist, dass das Böse am Schluss besiegt wird, tot ist, so ist es für immer weg und kann sich nicht in die Träume der Kinder schleichen. 

Mehr über die pädagogische Bedeutung von Märchen ist hier nachzulesen:
http://www.kinderzeit.de/kos/WNetz?art=News.show&id=214

Wie viel Wissen, Information, Kreativität, Sprache, Spiel und Spass sich mit einem Märchen verbinden und im Kindergarten umsetzen lässt, zeigte uns Frau Padovan am Beispiel des Märchens die Bienenkönigin:

- Besuch im Wald und entdecken der Waldbewohner
- Ameisen, Bienen, Enten näher kennenlernen
- Ameisenhaufen nachbauen
- krabbeln, tragen, sammeln wie Ameisen
- Entenlieder
- Perlen in Linsen verstecken und suchen
- Honig selber machen
- Imker besuchen
- u. v. m.

Jede von uns hatte ein Märchen mitgebracht und überlegte sich Ideen, wie das Märchen eingeleitet und beendet werden könnte, welche Aktivitäten (malen, basteln, werken, spielen, turnen), Wissensgebiete (Tiere, Berufe, Lebensmittel, Jahreszeiten,), Experimente (Aggregatszustände von Wasser, was schwimmt, was ist magnetisch), Lieder zum Märchen passen. Im Anschluss tauschen wir unsere Ideen aus und konnten alle mit einer prall gefüllten

Ideenkiste nach Hause gehen. Schade sind meine Spielgruppenkinder noch so jung, Märchen werden wir ihnen keine erzählen, aber bestimmt die eine oder andere Geschichte noch etwas mehr ausschmücken als bisher.

Märchen gibt es natürlich auch im Internet, z. B. bei:
http://www.labbe.de/lesekorb/
http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/index
http://www.childrentooth.de/maerchen/

Das Schönste des Tages war für mich den gefühlvoll vorgetragenen Märchen von Frau Padovan zu lauschen.

Wer mehr über Yvette Padovan erfahren möchte und Lust hat, sie einmal selbst zu hören,
findet alle Informationen auf ihrer Homepage: www.fabelara.com

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