Sonntag, 22. September 2013


Deutsche Sprache – schwere Sprache

Als deutscher Muttersprachler merke ich oft gar nicht, welche Stolpersteine in unserer Sprache stecken. Letzte Woche waren in der Schule die französischen Possessivpronomen auf dem Lehrplan, meine Tochter fragte nach: „Stimmt das so? Ma soeur, mon frère, mon père?“ „Ja natürlich“,  sagte ich. „Ja aber, es ist doch ihr Vater?“ entgegnete meine Tochter. Hoppla, jetzt war auch ich kurz verunsichert und tatsächlich, in der deutschen Sprache ändert der Vater sozusagen das Geschlecht, wenn er einer weiblichen Person gehört, er ist ihr Vater, mit einem männlichen Besitzer wird er wieder männlich, er ist sein Vater  – im französischen, bleibt er, was er ist.

Kürzlich sassen wir in der Spielgruppe am Znünitisch, ich forderte die Kinder auf: „Kommt,
erzählt mir etwas!“ Tatsächlich legten gleich zwei Kinder los: „Eins, zwei, drei, …“. Ich weiss nicht, ob ich undeutlich gesprochen habe oder ob auch unseren ch-deutsch-sprechenden Kindern das Verb „erzählen“ noch unbekannt ist, ch-deutsch wäre ja „verzellä“.

Und auch in unsere Sprachspiele haben wir versehentlich einen Stolperstein eingebaut! Lucy war auf dem Bauernhof einkaufen und brachte das Lieblingsessen ihrer Stofftiere mit. Gemeinsam mit Arti erkundeten die Kinder Lucys Einkauftasche, sie entdeckten: Rüebli (Karotten), einen Apfel, ein Poulet, eine Wurst, eine Tomate und noch einiges mehr.

In der zweiten Spielrunde sollten die Tiere gefüttert werden, damit die Kinder wissen, welches Essen für welches Tier bestimmt ist, haben wir ein Lieblingsessen-Poster aufgehängt. Gemeinsam ordneten wir das Essen den Tieren zu. Und jetzt kommt der Stolperer. Ich decktedas erste Tier auf und fragte: „Wer ist das?“ – „Das ist Dumbo, der Elefant.“ – „Genau! Und was isst Dumbo?“ – „Elefant!“ So schnell tappt man in die Falle! Natürlich habe ich sofort umgestellt und gefragt: „Was möchte Dumbo essen?“ Und schon klappte es: „Erdnuss“.

Nachdem ich mich vom ersten Schrecken erholt hatte, wollte ich gleich meine PowerPoint-Präsentation zum Lieblingsessen neu aufnehmen, da erinnerte ich mich aber an den Zweitklässler, der in einem Lesetext über den Satz: …er las, stolperte. Ich merkte ihm gefällt etwas an diesem Satz nicht, also fragte ich: „Weisst du was las heisst?“ – „Keine Ahnung!“ bekam ich zur Antwort.
 
In unserem Alltagsdeutsch brauchen wir keine Vergangenheitsformen, wir sagen: „ich ha gläse, ich bi gangä“. Woher sollen die Kinder diese Formen kennen, wenn sie sie nie hören! Also lasse ich meinen PowerPoint-Text stehen und hoffe, dass die Kinder, durch das Vorwissen, das wir jetzt mit den Spielen erarbeitet haben, verstehen, was gemeint ist, wenn sie hören: „Wer isst den Apfel? Penny, das Pferd isst den Apfel.“ Gar nicht so einfach von „essen“ auf „isst“ zu kommen!

Auch diese Woche haben uns die Kinder damit überrascht, wie schnell sie neues Wissen aufnehmen und abspeichern. Viele Kinder, die zweimal in die Spielgruppe kommen, wussten, schon beim zweiten Mal ohne auf das Poster zu schauen, welches Tier, welches Nahrungsmittel bekommt. Einige Kinder passten so gut auf, dass sie sofort merkten, wenn wir einem Tier ein falsches Essen unterjubeln wollten.

Am Entdeckertisch betupften wir diese Woche ein Stück Alufolie, welches eine Büchse für unser Windspiel umhüllen soll. Ebenfalls für das Windspiel konnten die Kinder mit dem Stüpferli Löcher in Nespresso-Kapseln stechen. Die Kinder durften Salzteig auswallen und Früchte ausstechen, ein Früchte-Ausmalbild konnte bemalt werden. In einer Kiste lagen Tiere und Früchte durcheinander, die Kinder sortierten alle Früchte in einen Korb und alle Tiere in den anderen. Dieses Spiel hilft den Kindern Kategorien zu bilden und Oberbegriffe zu entwickeln. Das Nähen wurde nur von wenigen Kindern genutzt, es braucht ein bisschen Begleitung und Unterstützung. Diejenigen, die es in Angriff nahmen, hatten den Dreh aber schnell raus. Auch im Schneiden konnten sich die Kinder üben, bei manchen klappt es schon recht gut, andere brauchen noch ein wenig Übung. Der Geschichtenkoffern wurde oft benutzt und viele Kinder spielten die Geschichte von Jimmy und seiner Kokosnuss wunderschön nach. Sie erklärten mit mehr oder weniger Worten, wie sie für Jimmy die Nuss öffnen könnten und sie wiederholten Sätze aus der Geschichte, wenn auch nicht immer alles hängen blieb. So wurde aus dem „Dickschädel“ ein „Schädel“, nächste Woche ist bestimmt auch der Dickschädel abgespeichert.  In unserem Montessori-Gestell warten Tabletts mit unterschiedlichen Anforderungen auf die Kinder und tatsächlich suchen sich die Kinder die Tabletts aus, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Diejenigen, die die grossen Kugeln ohne Probleme von einer Schale in die andere löffeln können,
nehmen sich den Kochlöffel mit den kleinen Perlen vor.
Am Spieltisch spielten wir Bingo. Kinder, die im Kreis nie etwas sagen, tauen im kleinen Kreis auf und siehe da, sie können alle Tiere benennen und wissen ihre Namen.
Am Knettisch wurden Styroporteile bemalt, nächste Woche können diese mit steckbarem
Material verziert werden.
Zum Abschluss spielte ich den Kindern nochmals die Geschichte von Jimmy und seiner Kokosnuss vor. Nach der Geschichte konnten die Kinder eine richtige Kokosnuss in die Hand nehmen und versuchen sie mit den Fingernägeln zu öffnen, sie konnten auch die Kokosmilch hören, wenn sie die Nuss schüttelten. Und zum Abschluss, durfte wer wollte, ein kleines Stück Kokosnuss probieren – die Reaktionen waren sehr unterschiedlich, von: erst gar keine probieren über wäähhhh bis hin zu mmmhhh fein, hatten wir alles.  


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