Montag, 30. September 2013


Ich kann das alleine

Vor zwei Wochen spielten wir unseren Kindern zur ersten Mal die Geschichte „Ich knack die Nuss“ von Paolo Friz vor. Diese einfache und wunderbare Geschichte ist genau auf unsere Kinder zugeschnitten. Sie sind jetzt in dem Alter, in dem sie schon vieles alleine machen können und noch mehr alleine machen möchten. Sie gehen aufs WC, sie äussern ihre Wünsche, sie haben eigene Ideen, sie möchten ihren Weg selbständig gehen und lassen sich von nichts und niemandem aufhalten. Nicht alles klappt auf Anhieb und sie müssen so manche Enttäuschung einstecken, doch sie geben nicht auf! In diesem Alter haben die Kinder noch einen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und den Willen, es selbst zu schaffen.

Als meine Kinder laufen lernten, sich unzählige Male auf die Beine kämpften, kurz wackelig stehen blieben, um gleich wieder auf ihrem Hinterteil zu landen, da lernte ich, dass es sich lohnt, einen zweiten, einen dritten, vielleicht sogar einen hundertsten Versuch zu wagen und nicht gleich nach dem ersten, missglückten Versuch den Kopf in den Sand zu stecken.

Paolo Friz beschreibt in seinem Buch genau diese Situation, der kleine Gorilla möchte so gerne die Kokosnuss knacken, die Erwachsenen sehen ihn mitleidig an und bieten ihre Hilfe an. Aber der kleine Gorilla will es alleine schaffen, er versucht alle Ideen, die ihm die Grossen vorschlugen, bis er schliesslich die erlösende Erfindung macht.
Mit seinen tollen Bildern und den einfachen Worten eignet sich dieses Buch hervorragend für junge Kinder und da es sich leicht als Figurenspiel umsetzen lässt, konnten wir diese Geschichte auch unseren fremdsprachigen Kindern verständlich machen.

Wir alle können nur lernen und aufmerksam verfolgen, was wir auch verstehen. Bestimmt haben einige von euch schon einmal versucht einen Film in einer fremden Sprache
anzuschauen, wie lange seid ihr aufmerksam geblieben?

Ein Figurenspiel ist leichter zu verstehen als ein unbewegtes Bilderbuch, deshalb führen wir viele Geschichten als Figurentheater ein. Die Kinder dürfen im Anschluss mit den Figuren der Geschichte spielen, einige erfinden eine eigene Geschichte, andere erzählen die Geschichte genau nach. Als ich die Geschichte „Bravo, kleines Huhn“ vorspielte, schob ich zwei Kisten zusammen, im Lauf der Geschichte kehrt der Maulwurf in seine Höhle zurück, ich steckte ihn zwischen die zwei Kisten. In der folgenden Woche beobachteten wir ein Mädchen, das an unseren Entdeckertischen zog und zerrte, so lange, bis sie den Maulwurf zwischen die Tische stecken konnte.

Die an der Geschichte „Ich knack die Nuss“ beteiligten Tiere sind den Kindern schon aus unserer Sprachwerkstatt bekannt, die Handlung lässt sich aus dem Spiel leicht nachvollziehen und die vielen Wiederholungen helfen den Kindern, die Geschichte zu verstehen. Sie können sich diese Wiederholungen als Textbausteine („Was machst du da?“ – „Ich kann das alleine!“ merken und als solche auch wieder abrufen, die Wiederholungen machen die Geschichte voraussehbar. Ich versuche immer, die Kinder in die Geschichte miteinzubeziehen und da helfen die vielen Wiederholungen den Kindern, meine Fragen zu beantworten, sie können selbst zum Erzähler werden.

Als ich vor dem Elfi-Glöggli die Geschichte nochmals mit dem Bilderbuch erzählte, konnten die Kinder viele Sätze gemeinsam mit mir ihm Chor sprechen, einige konnten schon fast die ganze Geschichte auswendig und ich musste mich anstrengen, mit diesen Kindern mithalten zu können. Die Kinder sprachen nicht nur mit mir ihm Chor, nein! Ein fremdsprachiges Kind spielte die komplette Geschichte in astreinem Hochdeutsch nach. Eine Mutter erzählte mir, ihr Kind hätte ihr die ganze Geschichte zusammen mit unserem  Malbüchlein erzählt. Ein weiteres fremdsprachiges Kind setzte sich mit dem Buch auf die Treppe, ein zweites, deutschsprechendes Kind setzte sich dazu. Das erste Kind zählte dem zweiten alle beteiligten Tiere auf: Papa Gorilla, kleiner Gorilla, Elefant, etc., es öffnete das Buch, fragte: „Du da?“ (Kurzform von „was machst du da?“) und so ging die Geschichte in vereinfachter Form weiter, bis die beiden zum Löwen kamen. „Kommt Löwe!“ – „Nei, da isch en Leu!“ – „Löwe!“ – „Nei, da isch en Leu!“ Ich erklärte den beiden, dass beides richtig ist, Esther sagt auf Schweizerdeutsch auch Leu und ich sage auf Hochdeutsch Löwe, die beiden waren zufrieden und widmeten sich wieder ihrer Geschichte.
 
 Am Entdeckertisch gab es diese Woche so viele spannende Angebote, dass wir ein paar Mal
ganz schön ins Rudern kamen, weil von allen Seiten Nachschub verlangt wurde. Die Brotmühle zählt nach wie vor zu den Lieblingsbeschäftigungen der Kinder, hier können sie ein hartes Stück Brot in kleine Brösel verwandeln. Aber auch die Salatschleuder-Bilder sind sehr begehrt, die Kinder und auch wir sind immer wieder von neuem von den tollen Bildern begeistert. Nicht ganz so einfach war die Aufgabe, Früchte in den Früchtekorb zu kleben. Ein Kind dachte, es müsste alle Früchte verwenden, ein interessantes 3-D-Bild ergab sich daraus.

Im Sand hatten wir einige Glitzersteine versteckt, die mit Hilfe des Siebes entdeckt werden konnten und auch Nadel und Faden standen wieder zur Verfügung.

Am Knettisch wurden diese Woche die bunt bemalten Styroporgebilde von letzter Woche mit Zahnstochern, Stecknadeln, Pfeifenputzern, Perlen und vielem mehr besteckt.

Am Spieltisch suchten wir in einem Topf voller Bohnen nach dem Lieblingsessen unserer Plüschtiere und ordneten es ihnen zu. Nach der Begrüssung fütterten wir wieder unsere Tiere und vor dem Znüni wechselten wir von den Stofffrüchten zu den Karten mit den Abbildungen, welche wir fischten und zu den richtigen Tieren legten. Auch unser Verkäuferliladen fand diese Woche grossen Zulauf, es wurde gekauft, auf der Kasse getippt und Waren abgewogen. Manche Cola-Flasche landete ebenfalls in der Kasse
und die Gewichte der Waage wurden auch für andere Zwecke verwendet. Die Kinder experimentierten, entdeckten Grössen, Farben und Gewichte.

Allmählich sind wir nicht mehr die Einzigen, die „Dä old Mc Donald hät en Hof“ singen, immer mehr Kinderstimmen unterstützen uns und wir sind guter Hoffnung, das Lied bis zu unserem Laternenumzug im November mit kindlicher Unterstützung singen zu können.

Beim Schuhe anziehen, fragte ich ein Kind: „Soll ich dir helfen?“ – „Nein, ich kann das alleine!“ war die entrüstete Antwort! Super! Was ein Buch alles bewirken kann!










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