Sonntag, 1. September 2013


Lucys neue Tiere
Lucy, unsere Spielgruppen-Handpuppe feierte letzte Woche Geburtstag und weil sie so gerne mit ihren Plüschtieren spielt, hat sie viele neue Spielkameraden bekommen. Leider sind die neuen Tiere noch etwas schüchtern und haben sich in unseren Eimern versteckt. Behutsam haben wir einen Eimer nach dem anderen geöffnet und den Kindern die neuen Tiere vorgestellt. Da waren Dumbo, der Elefant mit seinem langen Rüssel, Levi, der Löwe mit der grossen Mähne, die meiner ein wenig ähnlich sieht, Tina, die Giraffe mit ihrem langen Hals und noch ein paar andere. Gemeinsam begrüssten wir die Tiere in ihrer „Sprache“.



Unsere „Schleich“-Tiere im Sand waren diese Woche das beliebteste Spielangebot, an manchen Tagen mussten wir die Stoppuhr stellen, damit alle Kinder mit den Tieren im Sand spielen konnten. Die Kinder haben auch fleissig Bohnen gelöffelt, einige mutige Kinder wagten sich sogar an die kleinen Schmucksteine und löffelten sie mit dem Kochlöffel von einer Schale in die andere. Die „neuen“ Kinder durften ihre Tasche bemalen und können nun ihre Kunstwerke und Bastelarbeiten in der eigenen Tasche mit nach Hause nehmen.

Vor dem Znüni stellte Lucy den Kindern ihren Stall vor, sie hatte für jedes ihrer Plüschtiere ein Zimmer eingerichtet und es mit einem Foto versehen. Als die Tiere vom vielen Spielen müde wurden, durfte jedes Kind ein Tier in sein Zimmer bringen, was ganz toll funktionierte.

Nach dem Znüni bekamen alle Kinder eine CD, die sie mit bunten Aufklebern verzieren konnten. Manche Kinder waren so begeistert von dieser Aufgabe, dass ihren CDs fast keine freie Stelle mehr zu finden ist.  

Die absoluten Höhepunkte der Woche lieferten die Kinder selbst! Eine Gruppe beschloss, nachdem sie eine Weile unsere Power Point-Präsentation mit Lucys Plüschtieren verfolgt hatte, nun selbst Spielgruppe zu spielen. Drei Kinder machten den Anfang, sie hielten sich an den Händen und machten einen Kreis. Das erste Kind zeigte eine Bewegung vor, alle anderen machten sie nach, genauso wie wir es bei unserem Begrüssungskreis machen. Nach und nach kamen die übrigen Kinder der Gruppe dazu, bis am Schluss fast alle Kinder selbständig Begrüssungskreis spielten. Das älteste Kind machte sich nun zur Spielgruppenleiterin, verteilte grosse Kunststoff-Puzzleteile als Sitzgelegenheiten, nahm ein Plüschtier und fragte, die anderen Kinder: „Was ist das!“ Die Antworten kamen prompt – leider war es schon Zeit für unseren Abschied, gerne hätten wir dieses Spiel weiter verfolgt.

Eine andere Gruppe liess sich ebenfalls vom Power Point inspirieren und zeigte in der Gruppe
die besonderen Merkmale der Tiere nach. Die grosse Mähne, den langen Hals, den langen Rüssel, alles wurde exakt gezeigt und benannt.

In einer anderen Gruppe stellte sich ein Kind vor das Plüschtier-Poster und fragte die übrigen
Kinder auf Spanisch: „¿Qué es esto?“ Auch hier kamen die Antworten postwendend, auf Spanisch, aber auch auf Deutsch und einige Kinder konnten sich bereits die Namen der Tiere merken.

Power Point in der Spielgruppe?
Eigentlich sehe ich es nicht gerne, wenn unsere jungen Kinder schon am PC spielen oder vor dem Fernseher sitzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass junge Kinder handgreifliche Erfahrungen brauchen, um die Welt zu begreifen. Ein Kind, dass im Fernsehen sieht, wie eine Glocke geläutet wird, weiss nicht, wie es sich anfühlt, selbst eine Glocke zu läuten und dass es selbst, die Kontrolle über die Glocke in der Hand hat.

Wir nutzen die beste Eigenschaft des PCs für unsere Sprachförderung, seine unendliche Geduld, immer wieder das gleiche zu Wiederholen. In jedem unserer Sprachthemen haben wir einige Sätze, die wir den Kindern gerne als Satzbausteine auf den Weg mitgeben möchten. Diese Bausteine können sich die Kinder als Ganzes merken und auch wieder abrufen, sie helfen ihnen die Struktur der Sprache, den Satzaufbau zu entdecken. Zur Zeit befassen wir uns mit der Begrüssung und dem Fragen nach dem Namen. In unserer Power Point-Präsentation sehen die Kinder ein Plüschtier und hören gleichzeitig dessen Begrüssung. „Grüezi, ich bin Tina, die Giraffe, ich habe einen langen Hals.“ Die erste Präsentation schauen sich die Kinder meist ganz an, gehen weg und setzten ihr Spiel fort. Manchmal holen uns dazu und zeigen uns, die bekannten Tiere auf dem Bildschirm: „Schau, da ist Giraffe!“, manchmal entstehen daraus interessante Spielideen, manchmal beachten die Kinder die Präsentation gar nicht, hören aber unbewusst die Sätze.

Und genau dieses unbewusste Hören, dass passive Hören ist es, dass wir den Kindern ermöglichen möchten. Die Idee stammt von Vera F. Birkenbihl aus ihrem Buch „Sprachenlernen leicht-gemacht“ (ISBN 978-3-86882-211-3), Frau Birkenbihl empfiehlt den fremdsprachigen Text Wort für Wort in die Erstsprache zu übersetzen, sich danach den fremdsprachigen Text anzuhören und die erstsprachliche Übersetzung gleichzeitig mitzulesen, hat man den Text verstanden, kommt das passive Hören zum Zug. Vera F. Birkenbihl rät dazu, täglich den neuen Text im Hintergrund laufen zu lassen und ihn so passiv aufzunehmen. Obwohl auch einige Kinder unseren ersten Tonaufnahme lauschten, stellten wir fest, dass diese Version bei jungen Kindern noch nicht funktioniert und so kamen wir auf die Idee mit der Power Point Präsentation. Tatsächlich brauchen die Kinder ab und zu die gehörten Sätze im freien Spiel, ändern sie ab und versuchen eigene Varianten. Wir lassen das Power Point während 5 – 10 Minuten laufen, die Kinder entscheiden selbst, ob sie zusehen wollen oder nicht.

Vor dem Abschied übten wir heute ganz leise zu schleichen, wie Dolly die Katze, wir hüpften im Galopp, wie Niko der Esel, wir flogen wie Emma und bellten wie Bello.

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