Sonntag, 8. September 2013


Sprachrhythmus

Schon im  Alter von 10 bis 18 Monaten brauchen die Kinder ihre lautlichen Äusserungen um Kontakt aufzunehmen oder um ihre Gefühle auszudrücken. Sobald das Kind entdeckt, dass es mit Wörtern bestimmte Dinge bezeichnen kann, wird es die Wörter immer häufiger und gezielter gebrauchen.

Die meisten Kinder lernen zuerst Nomen, Hauptwörter, vermutlich weil sie sich dazu eine bildliche Vorstellung machen können. Das runde, bunte Ding, das rollt und hüpft wird von Mama/Papa immer wieder als Ball bezeichnet. Tätigkeitswörter wie werfen, rollen, hüpfen, springen, fallen, schubsen, etc. tauchen im Zusammenhang mit dem Ball auch immer wieder auf, sind aber viel schwerer einzuordnen. 

Als erstes lernen die meisten Kinder zweisilbige Wörter, sie nehmen dabei den typischen Rhythmus der Erstsprache auf. In der deutschen Sprache ist die 1. Silbe betont, die 2. Silbe unbetont, längere Wörter werden von den Kindern gekürzt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden die ersten Wörter Ma-ma, Pa-pa, Schog-gi, Na-ne (Banane), Flu-gi (Flugzeug), Ma-te (Tomate), etc. sein und natürlich die Ausnahme „nein!“, die so wichtig für die Kinder ist.

Der Sprachrhythmus hilft den Kindern die Wortgrenzen zu erkennen und ist wichtig für die Wortbildung. In der gesprochenen Sprache gibt es keine Wortgrenzen, die Wörter werden ohne Pause zusammengehängt:Gutenmorgenwiegehtesdirmeinschatzhastdugutgeschlafen? Das Kind muss, um den Inhalt des Satzes zu verstehen, die einzelnen Wörter herausfiltern, dies geschieht offenbar über den Sprachrhythmus.

Wir nutzen diesen ersten natürlichen Lernschritt, die Konzentration auf zweisilbige Wörter, für unsere Sprachspiele.

Lucy und Arti haben ein neues Spiel entdeckt, sie klatschen Namen und fordern die Kinder auf, gleich mitzumachen. Die erste, betonte Silbe „Lu“ sprechen wir laut aus und klatschen dazu, darauf senken wir die Stimme und die Hände und sagen „cy“. Wir wiederholen das Spiel mit Artis Namen und auch mit unseren Tieren, die sich schon wieder in den Eimern versteckt haben.

Am Spieltisch wiederholen wir die Namen der Tiere, versuchen sie speziell betont auszusprechen und führen die Kinder ins „Memory-Spielen“ ein. Einige Kinder kennen das Spiel von zu Hause und sind bereits jetzt unschlagbar, wissen genau, wo welches Tier liegt und können sich oft fast nicht zurückhalten, vor lauter Spielfreude. Andere Kinder führen wir ganz langsam zum Spiel hin, eine Hälfte der Karten ist auf einem Stapel, die andere liegt offen auf dem Tisch. Als erstes zeige ich den Kindern eine Karte vom Stapel und sie suchen die passende Karte auf dem Tisch. In einem zweiten Schritt drehen wir die Karten auf dem Tisch um und die Kinder versuchen, die passende Karte zu finden. Und so kommen wir langsam dazu, alle Karten umgedreht auf den Tisch zu legen. Die Namen der Tiere prägen sich bei diesem Spiel wie von selbst ein.

Am Entdeckertisch leimten wir farbige Punkte an unserer Geburtstags-CD-Sonne, mit der Motorik-schleife konnten die Kinder, die linke und die rechte Hirnhälfte herausfordern, ein neues Löffel-Spiel stand zur Verfügung und ein Tablett mit viel Krimskrams und natürlich Leim, Leim so viel das Herz begehrte. Wir staunen immer wieder, wie fasziniert die Kinder dem fliessenden Leim zusehen können und kaum mehr zu bremsen sind.


Der Bauernhof lud zum Rollenspiel, zum Sortieren und Dekorieren ein und an der Staffelei entstanden interessante Bilder.

Vor dem Znüni führten wir das Glücksrad ein und die Kinder durften die erdrehte Karte zu den entsprechenden Tiere bringen. Dieser erste Schritt zur Abstraktion, das Bild von Tina, der Giraffe entspricht auch Tina, der Giraffe, scheint allen Kindern geglückt zu sein. Wenn die Kinder von Anfang an dabei sind und wir den ersten Schritt über die Zimmer im Stall machen können, ist dieser Abstraktionsschritt offenbar einfacher zu bewältigen.

Zum Abschluss zeigten wir den Kindern den Fingervers von den grossen Krokodilen, die am Nil leben und sangen gemeinsam „Dä old Mc Donald hät ein Hof“, die Kinder waren aufmerksam dabei und sangen kräftig mit.

 Unsere Geburtstagswand ist nun auch bereit und wir konnten auch schon die ersten Geburtstage mit dem neuen Ritual feiern.



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