Freitag, 18. Oktober 2013


Zahnfreundliche Spielgruppe
 
Öpfeli, Öpfeli frisch
liegäd uf em Tisch.
Öpfeli, Öpfeli rot
iss ich gärn zum Brot.
Öpfeli, Öpfeli rund
sind für alli Chindä gsund!
En guetä!

Wöchentlich musste ich halb gegessene Äpfel, Karotten, angeknabberte Brötchen und heiss umkämpfte Milchschnitten wieder in die Znünitäschchen der Kinder einpacken. Die Getränke in Tetrapaks und anderen nicht wieder verschliessbaren Behältnissen übergab ich dem Ausguss. Eines Tages wagte ich den Versuch, eine Mutter zu bitten, auf die Milchschnitte als Znüni zu verzichten. Als Antwort bekam ich einen erbosten Brief, sowie eine Zutatenliste der Milchschnitte auf der alle gesunden Zutaten mit Leuchtstift markiert waren.

Noch im selben Jahr besuchte ich eine Infoveranstaltung für Spielgruppenleiterinnen der Aktion Zahnfreundlich. Wir erfuhren, dass bereits 13 % der 2-jährigen Löcher in den Zähnen haben, die dringend behandelt werden müssen. Ein Fünftel dieser Kinder müssen unter Narkose von ihren kariösen Zähnen befreit werden. Für die Entstehung von Karies in diesem Alter sind mehrere Faktoren verantwortlich: fehlende Mundhygiene, nächtliche Schoppen mit zuckerhaltigem Inhalt, zuckerhaltige Getränke mehrmals am Tag, Süssigkeiten zwischen den Mahlzeiten. Diese Daten stammten aus einer Untersuchung der Uni Zürich aus dem Jahre 2004, wer sich genauer für diese Untersuchung interessiert, kann sie unter http://www.puls.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2004/03/01/Gesundheitsthemen/Karies-bei-Saeuglingen nachlesen.

Für mich war klar, ich wollte eine zahnfreundliche Spielgruppe werden! Leider verging noch eine ganze Weile, bis wir im 2009 den „zahnfreundlich Kurs“ der IG Spielgruppe und der Aktion Zahnfreundlich besuchen konnten. Seither informieren wir Eltern wie auch Kinder über zahnfreundliche Znünis und zeigen den Kindern, wie sie die schädlichen Zahnbakterien im Mund bekämpfen können, etwa im Januar/Februar sind wir wieder soweit.

Weitere Informationen (nicht nur schöne!) über gesunde Zähne und Kariesprophylaxe findet ihr unter http://www.zahnwissen.de/frameset_spezial.htm?~kinder.htm.

Bald nach meinem Milchschnitten-Debakel beschloss ich, den Znüni selbst zu offerieren, so gab es keine Missstimmungen, weil der Zvieri der anderen Kinder doch viel besser schmeckt, als der eigene, aber ausgerechnet diese Kinder nicht teilen wollen. Auch die Bemühungen zahnfreundlicher Eltern werden durch dieses Teilen nicht untergraben, in der Schule lässt es sich dann kaum mehr verhindern. Seither gibt es bei uns zum Znüni Äpfel, Karotten und Cracker, als Getränk bieten wir Wasser an. Manchmal erweitern wir unser Znüni-Angebot und passen es unserem aktuellen Sprachthema an, zur Geschichte „Ich knack die Nuss“, durften die Kinder eine Kokosnuss probieren und als wir mit Arti und Lucy auf dem Bauernhof einkauften, gab es Milch. Diese Milch wird uns von Swissmilk anlässlich des schweizerischen Tages der Pausenmilch offeriert, herzlichen Dank. Natürlich bekommen die Kinder auch saisonale Früchte, wie Mandarinen und Orangen, Pfirsiche und Aprikosen oder wir konzentrieren uns auf eine Farbe und essen nur rote oder grüne Früchte und Gemüse. So versuchen wir den Kindern möglichst viele gesunde und zahnfreundliche Zwischenmahlzeiten schmackhaft zu machen. Geburtstage feiern wir mit Popcorn, dadurch bleibt den Müttern die Enttäuschung erspart, dass über die Hälfte des so liebevoll gebackenen Kuchens zurück-kommt. Bis jetzt sind mir nur sehr wenige Kinder untergekommen, die im Spielgruppenalter schon sehr viel essen. Ein Kind, das alleine einen ganzen Apfel oder ein ganzes Stück Kuchen isst, ist eher selten. Für eine Gruppe mit 10 Kindern brauchen wir in der Regel, 2 – 3 Äpfel, 2 – 3 Karotten und etwa 10 – 20 Crackers oder eine Portion Popcorn und 2 Äpfel.

Die Werbung trägt natürlich einen grossen Teil dazu bei, dass wir, obwohl wir das Beste für unsere Kinder wollen, eigentlich genau das Falsche tun. Der gesunde Multivitaminsaft enthält in 3,3 dl 12,5 Stück Würfelzucker à 3.7 g (=46.25 g Zucker!), ein Glas Apfelsaft bringt es noch auf 10 Würfelzucker und eine Milchschnitte enthält 2 Würfelzucker. Und dieser Zucker klebt an den Zähnen, vom Znüni bis nach dem Mittagessen, genügend Zeit für die Kariesbakterien, den Zucker in Säure zu verwandeln und die Zähne anzugreifen.

Der Zucker greift nicht nur die Zähne an, er kann auch Übergewicht führen und auch hier zeigen Studien erschreckende Zahlen. Im Kindergarten ist fast jedes 6. Kind übergewichtig, auf der Unter-/Mittelstufe und der Oberstufe ist es schon mehr als jedes 5. Kind. Insgesamt sind also fast 20 % aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig.

Auch zum Thema Ernährung und Bewegung gibt es im Netz mehr: http://www.suissebalance.ch

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