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Mittwoch, 1. Januar 2014

Spielgruppen gestern, heute und morgen 

Rückblick auf 200 Jahre Kindergarten und 43 Jahre Spielgruppe (Teil 1)  

1780
Johann Heinrich Pestalozzi beschrieb in seinem Roman „Lienhard und Gertrud“ ein Kinderhaus für bedürftige Kinder, in dem sie nicht nur betreut sondern auch altersgemäss gebildet werden sollten.

1826
Nach dem englischen Vorbild wurde in Genf eine Betreuungseinrichtung eröffnet, die Kinder berufstätiger Eltern aufnahm.

1830
In Zürich wurde die erste Kleinkinderschule für Arme errichtet, es handelte sich allerdings eher um eine Bewahranstalt, die die Kinder vor schädlichen Einflüssen schützen sollte, als um eine Bildungseinrichtung.

1844
Mit Blick auf Maria Montessoris Kinderhäuser in Italien entstanden im Kanton Tessin die ersten Scuola dell‘ infanzia, welche die Kinder bereits mit zwei Jahren aufnahmen und über Mittag verpflegten.

Mitte 19. Jahrhunderts
Gab es in der Schweiz bereits 127 Kleinkinderschulen, die insgesamt 5000 Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren betreuten.

1845
In Riesbach wurde der erste Kindergarten nach den Ideen von Friedrich Froebels errichtet. Froebels „Garten für Kinder“ bildete den Grundstein für die moderne Vorschulerziehung, nach dem Konzept des natürlichen Unterrichts. Die Kinder sollten nicht nur aufgehoben und ernährt werden, sondern auch geistig angeregt. Anfangs wollte Froebel in seinen Einrichtungen den Müttern, die er als wegeweisend für die Kindererziehung betrachtete zeigen, wie sie mit den von Pädagogen entwickelten Spielsachen und Beschäftigungsmitteln umgehen könnten.

1873
Der erste Fröbelsche Kindergarten wird in Thun eröffnet. Die Betreuerinnen werden für ihre Aufgabe speziell ausgebildet. Obwohl das Fröbelsche Prinzip oft kritisiert wurde, da sich die Kinder nicht frei betätigen konnten, bildet es bis in die 1950er-Jahre hinein das Fundament für die vorschulische Erziehung.

1848
Der Kanton Genf erklärt die Kindergärten zu einem Bestandteil des Schulwesens und subventioniert sie, so wurde eine intensive Verbindung zur Schule geschaffen.

Bis hierher verläuft die Entwicklung des Kindergartens und der Spielgruppe noch parallel, die Kinder wurden ab zwei Jahren betreut und kamen mit fünf oder sechs Jahren in die Schule. In Deutschland kommen Kinder nach wie vor mit drei Jahren in den Kindergarten, welcher zwar nicht kostenlos, aber durchaus für jedermann erschwinglich ist. Auch in Genf gibt es noch Kindergärten, die Kinder ab 2 Jahren aufnehmen, im Kanton Tessin gilt eine dreijährige Kindergartenpflicht. 

In der deutschen Schweiz wurde das Eintrittsalter irgendwann auf 4 ½ - 5   Jahre hinaufgesetzt, leider fand ich keinen Anhaltspunkt, in welchem Jahr dies geschah.

1881
Der Schweizerische Kindergartenverein wird gegründet, zwei Jahre später erscheint die erste Fachzeitschrift.

Hier irgendwo trennen sich die Wege von Kindergarten und Spielgruppe.

1970
Engagierte Eltern gründeten die ersten Spielgruppen für Ihre Kinder.
Die Spielgruppen waren anfangs umstritten, sie wurden kritisiert, weil sich die Kinder schon sehr früh von den Müttern trennten sollten und die Kindergartenlehrpersonen fürchteten um ihre Stellung.

1971
Ein erster Rahmenplan für die Erziehungs- und Bildungsarbeit im Kindergarten erscheint, er versuchte die zeit- und stufengemässe Zielsetzungen und das Bildungsangebot des Kindergartens darzustellen.

1975
Fand an der Mütterschule Zürich die erste Spielgruppenleiterinnen-Ausbildung statt.

1978
Die Spielgruppen wurden vermehrt von Privaten, Institutionen und Stiftungen unterstützt und gewannen an Anerkennung.

1983
In der Deutschschweiz waren die Kindergarten- und Frauenvereine lange Zeit private Institutionen, sie mussten sich selbst finanzieren, gelegentlich erhielten sie finanzielle Hilfen von den Gemeinden. 1983 wurde das Kindergartengesetz eingeführt, durch das Gesetz wurde der Kindergarten eine staatliche Institution, jede Gemeinde musste für jedes Kind einen Kindergartenplatz für ein Jahr anbieten.
Auch die Situation der Kindergärtnerinnen wurde durch das Gesetz verbessert, ihre Pflichten und Aufgaben wurden klar definiert.

1998
Gemäss einer Umfrage besuchten auf dem Land  80 – 100 % der Kinder eine Spielgruppe, in der Stadt waren es 50 – 80 %. 

2014
Ab Sommer 2014 werden im Kanton Schaffhausen 2 Jahre Kindergarten obligatorisch. Kinder die vor dem 30. Juni 2010 geboren wurden, treten im August 2014 in den Kindergarten ein.

Das Eintrittsalter der Kinder wird nun also wieder gesenkt, was nicht ganz unproblematisch zu sein scheint.  

http://www.derbund.ch/bern/kanton/Kindergarten-wird-immer-mehr-zur-Spielgruppe/story/23191332?track 

Früher sagte man, nur faule Mütter würden ihre Kinder in den Kindergarten schicken, die Kindergartenlehrpersonen wurden zwar liebevoll, aber vielleicht auch etwas respektlos als „Gfätterlitanten“ oder „Basteltanten“ bezeichnet.

Heute sind wir Spielgruppenleiterinnen die Spiel- und Basteltanten und stehen vor den gleichen Herausforderungen wie unsere Kindergartenkolleginnen vor mehr als100 Jahren.
 
Was eine Kindergartenlehrperson, eine Spielgruppenleiterin, eine Erzieherin alles können sollte, könnt ihr unter diesem Link nachlesen: „Als der liebe Gott die Erzieherin schuf …“
http://www.kindergartenpaedagogik.de/1150.html


Quellen: Wikipedia, 4 bis 8 Fachzeitschrift für Kindergarten und Unterstufe, Historisches Lexikon der Schweiz, Spielgruppe.ch

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