Freitag, 1. August 2014

Geburtstagsrituale 

Geburtstagsthron und Kasperlitheater

Ich kann bereits auf unglaublich faszinierende 11 Jahre Spielgruppe zurückblicken In meinem ersten Spielgruppenjahr wollte ich den Kindern ein einmaliges Geburtstagserlebnis bereiten und natürlich sollte dieses in Bildern festgehalten werden. Ich hatte für die Kinder eine Krone, ein Geburtstagskleid und einen Geburtstagsthron vorbereitet - die Idee war, jedes Kind an seinem Geburtstag auf den Thron zu setzen und mit der ganzen Gruppe zu fotografieren. 

Alles ging schief! Das erste Kind hatte einen zu grossen Kopf (oder mein "Musterkind" hatte einen zu kleinen), die Krone fiel ständig runter! Als ich diesem Kind endlich das Kleid  angezogen und es auf den Stuhl gesetzt hatte, konnte ich die anderen Kinder nicht dazu ermuntern, sich neben den Stuhl zu stellen. 
Als gab es nur ein Bild vom Geburtstagskind. Das nächste Kind weigerte sich, die Kleider anzuziehen, die übrigen Kinder wollten sich wieder nicht um den Stuhl stellen. Nun ja, bei dritten Kind gab ich mein Vorhaben auf! 

Von nun an setzten wir uns an den Tisch, das Geburtstagskind durfte die Krone aufsetzen, wir stellten den Geburtstagszug auf, sangen "Happy Birthday" in drei Sprachen und assen den Geburtstagskuchen. 

Danach gab es zur Feier des Tages ein kleines Kasperlitheater. Mit nur elf Kindern, davon 7 mit deutsch als Erstsprache klappte es erstaunlich gut. Die Kinder freuten sich immer aufs Theater und blieben auch ruhig sitzen, obwohl ich die Gruppe alleine leitete. 

Inäluegi-Kiste

Als ich zu meiner Kollegin nach Neuhausen wechselte, führten wir ihr Ritual mit der Inäluegi-Kiste weiter. Das Geburtstagskind durfte in die Inäluegi-Kiste (eine Schachtel mit Gucklöchern, in die meine Kollegin eine hübsche Zwergenwelt gebaut hatte) schauen und erzählen, was es sah Da immer weniger unserer Kinder deutsch sprachen, wurde das Erzählen immer schwieriger. Der Geburtstagszug und Happy-Birthday kamen auch jetzt wieder zum Zug. Damals blieben die meisten Eltern in der Spielgruppe und feierten mit. 

Geburtstagsrakete

Wir zogen in unsere neuen Spielgruppenräume und nutzten die tolle Dachbalkenkonstruktion für unseren Geburtstagsballon. Wir spannten eine Schnur vom Spielboden herunter, fädelten einen Trinkhalm (Röhrli) auf die Schnur. Nun stellten die Kinder ihre Stühle in einer Reihe auf, das Geburtstagskind durfte den aufge-blasenen Ballon halten, wir klebten ihn ans Röhrli, Nun zählten wir alle von fünf rückwärts auf Null, bei Null lies das Geburtstagskind den Ballon los und dieser sauste wie eine Rakete zum Spielboden hinauf, um dann langsam zu uns zurück zu kehren. (Eine genauere Anleitung für den Geburtstagsballon findet ihr auf Artis Kreativ-Werkstatt). Meistens verlangten die Kinder einen zweiten und einen dritten Raketenstart, den wir gerne erfüllten. Danach ging es mit Geburtstagszug und -lied weiter. Immer weniger Eltern feierten den Geburtstag mit uns. 

Popcorn
Im Laufe der Zeit stellten wir fest, dass immer mehr Kuchen übrig blieb und die Kinder trotz Kuchen nach Äpfeln und Karotten verlangten, also befreiten wir die Mütter vom Kuchen backen und servierten von nun an gesalzenes Popcorn, welches wir vor den Kindern poppten. So wurden wir auch unserem Zahnfreundlich-Label besser gerecht. 

Liselotte feiert Geburtstag
Es war Liebe auf den ersten Blick - das war es! Eine einfache, hübsche Geschichte und erst noch gereimt! Diese Geschichte sollte unsere Geburtstagsgeschichte werden. Ich zeichnete die Bilder nach, änderte die Geschichte so ab, dass statt Lieselotte, das jeweilige Geburtstagskind die Geburtstagstorte bekam und ich montierte das Bild des Kindes in die Zeichnung. Wir druckten das ganze Büchlein als Geburtstagskarte aus. Die Geschichte spielten wir als Figurentheater vor. Anfangs hatten die Kinder noch Mühe mit der Geschichte, später konnten sie die meisten Reime mitsprechen. Eigentlich wäre alles perfekt gewesen, aber mit unseren mittlerweile acht Gruppen, wurde der Aufwand zu gross, viele Kinder hörten die Geschichten so oft, dass sie sich langweilten und abschweiften. 
Wer "nur" ein Kindergruppe betreut, dem kann ich dieses Ritual, dieses Buch von Herzen empfehlen. 
Eltern blieben fast gar keine mehr - manchmal bekamen wir einen Fotoapparat oder einen Filmkamera mit der Bitte, den Geburtstag zu dokumentieren. (Link zum Buch)




La muna mide
Letztes Jahr sangen wir für jedes Kind das Lied, "la muna minde", welches jedes einzelne Kind begrüsst und dem Geburtstagskind die besten Wünsche übermittelt. Vor dem Lied durfte das Geburtstagskind eine Elmar-Spieldose öffnen und diese spielte das Einstimmungslied, ein Foto des Kindes lag in der Mitte unseres Stuhlkreises. Der Geburtstagszug, Happy-Birthday und Popcorn rundeten das Ritual ab. 

Geburtstagskarte
Jedes Kind bekommt eine, von seinen Kameraden gestaltete, persönliche Geburtstagskarte. Jedes Kind bemalt eine runde Etikette (ca. 5 cm Durchmesser), klebt sie auf die vorbereitete Karte und wir schreiben den Namen des Künstlers unter das Bildchen, gegen Ende des Spielgruppenjahres wollen viele Kinder ihren Namen selbst auf die Karte schreiben. Manchen können es wirklich schon, andere tun so, als schrieben sie ihren Namen - in beiden Fällen konnten wir die Neugier auf die Schrift wecken, eines unserer literacy Ziele ist erreicht.

Eltern
Wie sieht es bei euch mit den Eltern aus? Bleiben Sie und feiern sie mit? Fordert ihr sie auf zu bleiben?

Wir möchten im neuen Spielgruppenjahr die Eltern wieder vermehrt in der Spielgruppe haben und möchten Sie bitten, den Geburtstag mit uns zu feiern! 






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