Sonntag, 14. September 2014

Bildungslandschaften 


Am Samstag nahmen wir an der Fachtagung Bildungslandschaften der Jacobs Foundation in Zürich teil: 

Dr. Boris Mayer zeigte uns den Unterschied zwischen statischem und dynamischen Selbstbild auf. Er ermunterte uns, vermehrt die Anstrengungen und weniger die Leistungen zu loben, da vor allem begabte Kinder durch Lob der Leistungen ihre Anstrengungen eher herunterschrauben, gleichzeitig aber ihre Angst vor Versagen geschürt wird. 

Prof. Dr. Davide Antoganzza stellte die Gefühle in den Mittelpunkt und das Projekt des sozialen und emotionalen Lernens, welches im Tessin Eingang in die Lehrerausbildung gefunden hat. 

Dr. Leila Tarokh, Dr. Kerstin Hoedlmoser und Dr. Ines Wilhelm erinnerten uns daran, wie wichtig der Schlaf für das Lernen nicht für Schülern, sonder auch für uns Erwachsene ist. Unbeantwortet bleibt vorerst die Frage, ob die Hausaufgaben erst kurz vor dem zu Bett gehen erledigt werden sollten, da das kurz vor dem Schlaf gelernte im Schlaf wiederholt wird. Auch konnten Lerninhalte, die während des Schlafs nochmals abgespielt wurden besser behalten werden. Eine Chance für unsere Power Points?

Die Cie ÜBERRUNTER demonstrierte sehr eindrucksvoll, wie eine Bildungslandschaft aussehen sollte, damit sie auch funktioniert: 

1. Das Kind im Zentrum 
2. Formale, non-formale und informelle Lebenswelten
3. Horizontale und vertikale Vernetzung 
4. Politischer Wille
5. Zielorientiert
6. Professionell gestaltet
7. Langfristig 

Einige Punkte werden vielerorts schon erfolgreich gelebt, andere hinken noch etwas hinterher. 

Ibrahim Ismail stellte schliesslich die Frage, was denn der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Oftmals gehen wir von uns aus und übersehen, dass Kinder oder Jugendliche an einem ganz anderen Ort stehen und völlig andere Bedürfnisse haben, die uns gar nicht in den Sinn kämen. Für einen Jugendlichen, der 8 Wochen mit Schleppern unterwegs war, der seine halbe Familie im Krieg verloren hat und dessen Mutter im Spital liegt, ist die bevorstehende Berufsqualifikation nicht wirklich das Wichtigste. 

Während der Open Space Phasen nahmen wir an interessanten Gespräche rund um die frühe Förderung teil. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Kinder so früh wie möglich in die deutsche Sprache eingeführt werden sollten - über das Wie, Wer und Womit gab es rege Diskussionen. 

Zweisprachige Spielgruppen? Muttersprache und später dann Umgebungssprache? Eigentlich fand ich diese Idee, als ich das erste Mal davon hörte genial, wollte sogar selbst eine albanisch-deutsche Spielgruppe ins Leben rufen. Je länger ich aber darüber nachdachte, desto skeptischer wurde ich. Welchen Anreiz haben die Kinder deutsch zu lernen, wenn sie in der Muttersprache verstanden werden? Jemand der eine solche Spielgruppe besuchte, war überzeugt, dass die Kinder gut deutsch gelernt hätten. 

Die Politik muss wollen, war eine andere These, aber wie können wir die Politiker für uns gewinnen, die wenigsten haben noch junge Kinder, die in eine Spielgruppe mit 70 - 80 % mehrsprachigen Kindern gehen. 

Eine weitere Stimme meinte, es sei eigentlich tragisch, dass die Kinder der zweiten Generation so wenig deutsch sprächen, obwohl deren Eltern ja schon in der Schweiz aufgewachsen sind und selbst die deutsche Sprache beherrschen. Auch wir ermuntern unsere Eltern mit ihren Kinder bis zum Kindergarten in der Muttersprache zu sprechen, da die Kinder eine gute erstsprachliche Basis brauchen und sie auch mehrere Sprachen gleichzeitig lernen können, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Idealerweise würden sich Vater und Mutter die Sprachen aufteilen, einer spricht deutsch, der andere die Erstsprache. 

Sollen alle Kinder eine Spielgruppe besuchen oder sollen nur mehrsprachige Kinder dazu verpflichtet werden, wie werden die Kosten aufgeteilt?

Ja, es liegt noch viel Arbeit vor uns und vorerst versuchen wir unseren Kindern interessante Bildungslandschaften in der Spielgruppe anzubieten und sie so optimal auf den Kindergarten vorzubereiten. 

Letzte Woche in der Spielgruppe

Wir suchten nach unseren schlafenden Plüschtieren und setzten die zerschnittenen Puzzlekarten wieder zusammen, am Spieltisch spielten wir Bingo-Memory. 




Am Entdeckertisch durften die Kinder selbst Salzteig herstellen, ihn auswallen und einen Apfel ausstechen. Sie schrubbten wieder Steine sauber und konnten Styropor rosa bemalen. Sie füllten Pompons in Eimer und die Zylinder in die passenden Löcher. Sie suchten mit dem kleinen Gespenst nach den versteckten Plüschtieren. 








In der Spielecke wurden die Puppen ausgezogen, der Tisch wurde gedeckt und es gab einige Wettrennen mit Puppenwagen und Dreirad, welche wir mit gemischten Gefühlen beobachteten. 

Für unser Figurentheater von Alfi und seiner Kokosnuss reichte die Zeit leider nur drei Mal, wir hoffen, dass nächste Woche alle Kinder und Eltern (nächste Woche findet unser Eltern-Kind-Info-Bastel-Vormittag statt) in den Genuss der Geschichte kommen. 

Unterstützung und Anerkennung der Spielgruppe

Schweizweit gibt es grosse Unterschiede, wie und ob Spielgruppen unterstützt werden. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr einen kostenlosen Raum, bekommt ihr Zuschüsse von der Gemeinde, dem Kanton, dem Bund? Werden die zukünftigen Eltern von der Gemeinde angeschrieben oder werden euch die Adressen zur Verfügung gestellt. Werden finanzschwache Eltern unterstützt? 

So viele Fragen! Ich hoffe, es gibt auch ein paar Antworten.








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