Sonntag, 2. Juli 2017

Bei uns wird jetzt gemeckert!


Bevor ich auf meinen Titel eingehe, möchte ich euch bitten, ein kleines Gedankenexperiment zu machen. Stellt euch vor, ihr seht folgendes Bild am TV: 


Was macht dieser Hund? Wie würdet ihr das Bild beschreiben? Bestimmt findet jeder von euch einige unterschiedliche Beschreibungen:

Der Hund geht über die Wiese.
Der Hund trippelt. 
Der Hund macht sich vom Acker.
Der Hund flüchtet.
Der Hund spielt. 
Der Hund tappt über die Wiese. 
Der Hund läuft ....

Ihr seht, das Bild bleibt gleich, die Wort ändern sich, vorallem die Verben! Und sie sind es, die dem Satz den Sinn geben. 

Als ich vor einigen Jahren feststellte, dass einige 2. Klässler wohl mechanisch perfekt lesen, den Sinn ihrer Sätze aber nicht verstehen, war ich schockiert. Ich stellte fest, dass es mir genau gleich geht, französiche Bücher kann ich fast nicht verstehen, für Erzählungen und Romane wird im Französichen das Passé simple verwendet, welches wir in der Schule nur gestreift haben und das in der Alltags-sprache kaum gebraucht wird. Ähnlich verhält es sich mit unserem Präteritum, jede Erzählung strotzt davon, im Alltag wird es kaum eingesetzt und im Schweizerdeutsch existiert es schon gar nicht. 

Wenn ich mit meinen DaZ-Kindern den Wortschatz erweiteren wollte, habe ich mich meistens auf die Nomen konzentriert und stellte aber fest, je älter die Kinder sind, desto mehr Nomen kennen sie. Aber sehr viele von ihnen scheitern an jedem Satz, weil sie das Verb nicht kennen. Logisch, der Hund wird im Film bezeichnet, das Verb nicht - das Verb kann sich jeder selbst ausdenken. 

Deshalb meckern, bellen, miauen, iaahen und grunzen wir ab sofort schon in der Spielgruppe. So neu ist das gar nicht, aber jetzt bezeichnen wir die Verben. Ich frage die Kinder: "Könnt ihr auch so gut grunzen wie Paula, das Schwein? Kommt wir probieren es!" Ich erwarte nicht, dass sich die Kinder die Verben schon jetzt merken, aber sie haben sie dann schon einmal gehört, können sich vielleicht entfernt daran erinnern und scheitern nicht beim ersten Satz, in dem ein Schwein grunzt. 

Die Kinder bekommen von uns die Tier-Memokarten mit nach Hause, sie können zusammen mit den Eltern und ihren Geschwistern, die neuen Wörter spielerisch lernen. Für mich ist das Spiel immer noch die beste Art, neue Wörter zu lernen und die Lernforschung weist immer wieder darauf hin, dass wir viele, viele Wiederholungen brauchen, bis wir ein neues Wort in unserem Wortschatz aufgenommen haben. Übrigens, wer heute 20 neue Wörter lernt und diese während einer Woche nicht wiederholt, hat bereits mehr als die Hälfte wieder vergessen. Kinder, die ihren neuen Wortschatz nicht benützen können, vergessen diesen ebenfalls wieder. 

Auf unserem Youtube-Kanal können sich fremdsprachige Eltern, die Bezeichnungen der Tiere, ihre Namen und die passenden Verben anhören und sich so diese Wörter ebenfalls aneignen und mit den Kindern darüber sprechen. 

Die Videos sind ganz einfach gehalten, haben keinen Unterhaltungswert und lenken nicht von der Sprache ab, sie sollten nach einer gewissen Zeit einfach im Hintergrund laufen, damit sich die Kinder die Wörter und Sätze verinnerlichen können. 

Wer Lust hat und nicht zu viel erwartet, hier der Link: Tiere 1 

Wie bringt ihr den Kindern die Verben näher?



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