Sonntag, 2. Juli 2017

Kinder lernen nur, was sie auch verstehen


Die Wiederholung macht's

Immer wieder wirft Julchen den Teddybär zu Boden, immer wieder hebt die Mutter ihn auf. Julchen wiederholt dieses und ähnliche Spiele bis sie im Alter von etwa 12 - 15 Monaten die bewusste Objektpermanenz entwickelt hat. Sie weiss nun, das Gegenstände auch dann noch existieren, wenn sie im Moment nicht sichtbar sind. Durch die vielen Wiederholungen entdeckt Julchen, dass sich gewisse Dinge immer gleich verhalten, Julchen lernt! Geht Julchen mit der Mutter spazieren, zeigt die Mutter immer wieder auf unterschiedliche Wesen auf vier Beinen und bezeichnet sie als Hund. Julchen lernt: Wesen auf vier Beinen mit Fell = Hund, wahrscheinlich wird sie bald auch Katzen, Kühe, Ziegen und andere fellige Tiere mit Hund bezeichnen, dies wiederholt sie so lange, bis sie neue Kategorien gebildet hat. Immer wieder verlangt sie nach dem Salz und überprüft, ob sie auch wirklich immer den gleichen Gegenstand gereicht bekommt. So entwickelt Julchen durch ständiges Wieder-holen und Überprüfen ihr erstes Weltwissen. 

Karte oder Hund

Manche Kinder kommen in der Spielgruppe, in der Krippe zum ersten Mal mit Büchern und Abbildungen in Kontakt. Sie wissen noch nicht, dass auch die Abbildung eines Hundes als Hund bezeichnet wird, sie müssen ja zuerst noch den Gegenstand Buch, Karte, oder Bild kennen lernen. 
Wenn wir nun versuchen, den Kindern neue Wörter über Karten zu vermitteln, stossen wir manchmal auf Unverständnis, für einige Kinder ist die Karte kein Hund, sondern einfach eine Karte. 

Konkrete Gegenstände

Neue Wörter und Satzgebilde führen wir deshalb immer mit konkreten Gegenständen ein, die bereits zum Erfahrungsschatz der Kinder gehören. Die Kinder können die Gegenstände anfassen und sich so eine Brücke zu ihrer Erstsprache bauen. Wir lenken die Aufmerksamkeit der Kinder auf einen konkreten Gegenstand und konzentrieren uns darauf. Manche Kinder brauchen länger, bis sie ein neues Wort aufgenommen haben, deshalb befassen wir uns jeweils über vier Wochen mit einem Thema und wiederholen die neuen Wörter auch während des Freispiels, am Entdeckertisch, am Spiel- und Knettisch, so werden die Kinder mit den Wörter vertraut, nehmen sie in ihren Verstehenswort-schatz auf und verwenden sie oft auch schon selbst. So bald die Kinder verstehen, wo von sie reden wenden sie die neuen Wörter und Satzgebilde auch selbst an. Oftmals wiederholen sie die Sätze genauso, wie wir sie eingeführt haben: Das ist Emma, die Ente. Solche Satzgebilde auch Chunks genannt, helfen den Kindern, den Aufbau, die Grammatik der deutschen Sprache zu entdecken. Die Spielkarten kommen gemeinsam mit den konkreten Gegenständen ins Spiel und so gelingt den meisten Kindern dieser erste Schritt zur Abstraktion. 


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