Sonntag, 2. Juli 2017

Verstehens- und Mitteilungswortschatz


Um alles benennen zu können, brauchen die Kinder einen grossen Wortschatz, allerdings nützt die reine Speicherung von Wörtern nichts, wenn die Bedeutung der Worte nicht bekannt ist. Reines Auswendiglernen neuer Wörter erhöht zwar kurzfristig den Wortschatz, seine Bedeutungslosigkeit lässt ihn aber bald wieder abnehmen. „Wir können nur lernen, was wir verstehen“ – erklärt Vera F. Birkenbihl in ihren Büchern.
Mit einem Grundwortschatz von ca. 400 Wörtern setzt die Grammatikentwicklung im Zweitspracherwerb ein. Beim Erstspracherwerb beginnt die Entdeckung der grammatikalischen Regeln etwa im Alter von 18 Monaten und mit einem Wortschatz von 50 Wörtern.

Wir bieten den Kindern von Anfang an einfache „Chunks“, immer wiederkehrende Floskeln an, wie z. B. „wie heisst du?“ - „ich heisse …“.  Diese Textbausteine helfen den Kindern, ihren Wortschatz schnell zu erweitern und sie ermöglichen ihnen erste, einfache Gespräche. Am einfachsten lernen Kinder neue Wörter, neue Begriffe, wenn sie diese mit allen Sinnen erfahren können. Wir führen neue Wörter, Begriffe immer mit konkreten Gegenständen ein, die die Kinder selbst in die Hand nehmen können.

Aus Untersuchungen wissen wir, wie viel wir uns von neuen Inhalten merken können:

10 % - von dem, was wir lesen
20 % - von dem, was wir hören
30 % - von dem, was wir sehen
50 % - von dem, was wir hören und sehen
70 % - von dem, was wir selber sagen
90 % - von dem, was wir selber tun

Genau wie wir Erwachsenen verfügen Kinder über einen Mitteilungs- und einen Verstehenswortschatz, der Verstehenswortschatz ist etwa 3 – 5 mal grösser als der Mitteilungswortschatz. Kinder müssen neue Wörter in einem passenden Handlungszusammenhang etwa 50 x hören, um sie aktiv abspeichern und wieder abrufen zu können.

Wir beobachten oft, dass Kinder, die erst wenig Deutsch sprechen, das genannte Wort dem richtigen Gegenstand zuordnen können. Unsere „Aufräumspiele“ zeigen sehr schön, wie gut der neue Wortschatz schon bei den Kindern angekommen ist. Wir versuchen allen Kindern ein Erfolgserlebnis zu bescheren, daher darf die zweite Leiterin als Erste etwas aufräumen, ihr folgen die sprachstärkeren Kinder und erst danach kommen die Sprachanfänger an die Reihe. Während unserer "Aufräumspiele" wiederholen wir die Chunks sehr oft und versuchen, die Kinder zum Mitsprechen zu animieren. Mit Erfolg, einige der Kinder können bereits nach der zweiten Woche, die ganze Bezeichnung unserer Tiere nennen: "Das ist Emma, die Ente." Sie haben einen richtigen deutschen Satz mit Subjekt und Verb gelernt und können der Ente den richtigen Artikel zu ordnen. Durch die spielerische Wiederholung, z. B. nächste Woche mit einem einfachen Memory, sensibilisieren wir sie darauf, das jedes Nomen von einem Artikel begleitet wird, sie werden diese Regel verinnerlichen und sie später immer wieder versuchen anzuwenden. 

Die Frage: "Wie heisst du?" konnten diese Woche fast alle Kinder beantworten - änderten wir die Frage ab, z. B. in: "Wer bist du?" blieben uns viele mehrsprachige Kinder die Antwort schuldig. 


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