Sonntag, 2. Juli 2017

Warum lernen Kinder?


Ist doch klar, wir Erwachsenen wissen es ganz genau: Kinder sollen lernen, weil es wichtig ist, damit sie später in der Schule gute Noten bekommen und im Berufsleben besser Chancen haben, damit sie ein gute Lehre oder gar ein Studium mahen können! 

Erklären Sie das einmal einem zweijährigen Kind, das hat ganz etwas anderes im Sinn! Es will in erster Linie spielen, die Schule und das Studium interessieren junge Kinder nicht, die meisten wissen wahrscheinlich noch nicht, wovon wir reden. 

Trotzdem gibt es nach Epstein (1990) vier psychologische Grundbedürfnisse, die jeden Menschen, auch Kinder antreiben. 

Sichere Bindung
Wir wünschen uns eine stabile Bindung zu anderen Menschen. Babys nutzen eine Vielzahl von Verhaltensweisen, um in der Nähe der Eltern zu sein, später weitet sich dieses Bedürfnis auf andere Menschen aus. 

Kompetenz und Kontrolle
Wir möchten kompetent sein und die Erfahrung machen, dass wir unsere Umwelt beeinflussen und in unserem Sinne gestalten können. Verlieren wir die Kontrolle, fühlen wir uns frustriert, werden wütend, hilflos, manchmal sogar depremiert. 

Unangenehmes vermeiden - Angenehmes erleben 
Gerne entdecken wir interessante und spannende Dinge, möchten uns wohlfühlen und Freude erleben, wir vermeiden Schmerz und Ängste. 

Selbstwert erhöhen und schützen 
Wir möchten, dass unsere Arbeit, unsere Leistungen, unsere Bemühungen anerkannt und nicht abge-wertet werden. 

Dies gilt es zu beachten, wenn wir versuchen zweisprachigen Kindern unsere Umgebungssprache näher zu bringen. Die Kinder möchten eine herzliche Beziehung zu uns aufbauen, sie lernen für uns!
Auch wenn ihnen später alle sagen werden: "Du lernst nicht für die Schule oder den Lehrer, du lernst für das Leben, für dich selbst!" 

Wenn ich mich freue und dem Kind ein ehrliches und herzliches Lachen schenke, freut sich das Kind und ist gewillt, mir noch mehr Freude zu machen. Es versucht mir in meiner Sprache zu erzählen, was es zu Hause erlebt hat. 

Ein Kind, das immer den falschen Gegenstand bringt oder holt, fühlt sich bald nicht mehr kompetent, deshalb steuern wir es so, dass jedes Kind sein Erfolgserlebnis bekommt. In der Spielgruppe mit nur zehn Kindern, können wir für jedes Kind ein "individuelles Lernziel" formulieren und jedes Kind dort abholen, wo es gerade steht. 

Wir ermöglichen den Kinden möglichst viele angenehme Erfahrungen, loben sie für ihre eigenen Fortschritte und unterstützen sie bei ihren nächsten Schritten. Wir wiederholen unsere Anweisungen so lange, bis sie das Kind verstanden hat und belohnen es mit einem strahlenden Lächeln und freuen uns mit dem Kind. 

Nun zurück zu meiner Ursprungsfrage: Warum lernen Kinder? 

Eigentlich glaube ich, dass Kinder gar nicht lernen. Lernen ist für mich ein bewusster Vorgang, den ich selbst einleite. 

Ich glaube, Kinder eignen sich Wissen an, ...

... weil sie so sein wollen, wie die Grossen (Kinder oder Erwachsene) und diese nachahmen.
... weil es ohne Wissen langweilig ist.
... weil sie aus Fehlern lernen (Au, das tut weh!).
... weil es bei häufigen Wiederholungen einfach passiert. (Zur Begrüssung sagen wir guten Morgen).
... weil etwas merkwürdig ist. 
... weil sie etwas interessant und faszinierend finden (Wasser, das aus der Kanne fliesst, fliesst,  ,,,)
... weil sie etwas gut können und es deshalb gerne machen.
... weil sie ein Ziel haben (Den Knopf in die Büchse werfen).
... weil sie müssen, weil man es ihnen sagt (Du darfst nicht über die Strasse rennen).
... weil sie besser werden möchten (schneller rennen, höher klettern).
... weil sie experimentieren und neugierig sind.
... weil sie wissen möchten, wie die Welt funktioniert (Wo geht der Nuggi hin, wenn ich ihn auf den Boden werfe?).

Bestimmt kennt ihr den "Logopädie-Baum", der zeigt, was es braucht, damit ein Kind eine Sprache lernt. 



Ich möchte ein ähnliches Bild zum Thema "Warum sich Kinder Wissen aneignen" gestalten und suche nach weiteren Ideen! 

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