Mittwoch, 2. Mai 2018

Sprachförderung - Deutsch lernen

Übung macht den Meister 


Kinder lernen blitzschnell, einmal unbedacht "Donnerwetter" gesagt, schon wiederholen es die Kleinen mit Genuss. Für kurze Zeit ist es in aller Munde, aber bereits wenige Tage später ist es wieder weg. 

Nicht nur junge Kinder, auch die grösseren und wir Erwachsenen vergessen Vokabeln viel schneller als uns lieb ist. 

Machen Sie doch einmal den Selbsttest, ich habe es getan! Lernen und wiederholen Sie während zwei Wochen täglich dieselben fünf Wörter, egal ob in einer Fremdsprache oder neue deutsche Wörter. Nun legen Sie die Wörter für zwei Wochen zur Seite und kontrollieren Ihr Ergebnis. Meines war niederschmetternd - ich würde mich freuen, von Ihren Resultaten zu hören. 

Wissenschaftler haben folgendes herausgefunden: 

Wenn jemand heute 20 Wörter lernt, wie viele davon weiss er nach 10 Tagen noch? 4! ¾ oder mehr gehen verloren. Damit sich die Wörter wirklich in unserem Langzeitgedächtnis verankern, müssen wir sie bis zu 100 x wiederholen. Vor allem sollten wir sie in unserem Alltag gebrauchen können, sonst gehen sie wieder verloren. 


Wie lernen Kinder eine Sprache?


Bis heute gibt es noch immer verschiedene Theorien dazu. R. Tracy schreibt in ihrem Buch: Wie Kinder Sprachen lernen und wie wir sie dabei unterstützen können folgendes: 

Die Fähigkeit Sprachen zu lernen ist ein angeborenes Talent, das sich aber nur entfalten kann, wenn das Kind von kompetenten Sprachvorbildern begleitet wird und es viele Gelegenheiten bekommt, die Sprache zu hören und vor allem, sie selbst anzuwenden. 

Sehr oft hört man, dass Kinder ein Sprache viel schneller lernen, als ein Erwachsener, diese Aussage stimmt nur bedingt. Auch ein Kind braucht etwa 6 Jahre, bis es eine Sprache richtig beherrscht. Kinder gehen ganz anders an das Sprachelernen heran als Erwachsene, sie wollen nämlich gar keine Sprache lernen, sie wollen spielen. Meistens treffen sie auf gleichaltrige Spielkameraden, die sie in die neue Sprache einführen. Der Wortschatz eines 3-jährigen Kindes ist noch nicht sehr gross, seine Sätze sind noch nicht komplex und für die Kinder spielt es noch keine Rolle, ob alle Sätze korrekt
sind. Während das lernende Kind im besten Fall mehrere Stunden mit seinen Spielkameraden spielt, beschränkt sich die Lernzeit des Erwachsenen auf eine bis zwei Stunden pro Woche, den Rest der Zeit wird er arbeiten müssen.Da der Erwachsene schon eine Sprache beherrscht, die ihm oft weiterhilft, ist seine Motivation nicht so gross, wie die des Kindes, das mitspielen und dazugehören will. 


Zuerst lernen Kinder Wörter, die mit bestimmten Handlungen verknüpft sind z. B. tschüss (winken), gugus (verstecken) dann kommen Eigennamen und konkrete Substantive (Mami, Hund) einfache Verben wie machen, tun, essen und Partikel wie mehr, nochmal, nein dazu.

                          Meilensteine der Sprachentwicklung



                         12 Mte:                    erste Wörter
                         10 – 18 Mte:            1-Wort-Sätze: da aufziehn

                         18 Mte:                     mind. 50 Wörter
                         18 – 24 Mte:             Telegramm-Stil: Mama Bus fahren

                          24 Mte:                    200 Wörter
                          24 – 36 Mte:             finites Verb an 2. Stelle, stimmt mit Subjekt                                                             überein: Ich bau ein Turm mit Uhr
                         
                          ab 30 Mte.                Nebensatz mit Konjunktionen
                                                           Verb 2. Stelle
                                                           Wenn Julia Futter reintut, dann fressen Vögel
                                                           alles auf.

                          6 Jahre:                     6000 Wörter gebrauchen – 14 000 Wörter (verstehen
                                                           3 – 5 x mehr)

                          Erwachsen:               7000 – 15‘000 gebrauchen bis 100 000 verstehen


Spracharmut


Leider stellen wir in den letzten Jahren bei vielen Kinder eine Spracharmut fest, ihr Wortschatz wird immer kleiner, sie können sich mit 3 Jahren noch nicht richtig ausdrücken und sind weit davon entfernt, 200 Wörter aktiv zu gebrauchen bzw. Nebensätze zu sagen. Oftmals steckt auch ein Sprach-faulheit dahinter, immer öfter hören wir: "Apfel!" oder "Hilf!" oder "Gib!" offenbar regaieren die Eltern auf solche "Wünsche" und verstehen sie. Die Kinder sehen keine Notwendigkeit in ganzen Sätzen zu sprechen. 

Viele Fachleute sehen möglichen Ursachen für kindliche Sprachdefizite in folgenden Umständen:  Die fehlende (deutsch sprachige) Anregung in den Familien, wenig oder kein Austausch mit ein-heimischen (deutsch sprechenden) Kindern und die geografische Isolation, sowie ein autoritärer         Erziehungsstil (komm, mach, Sprache nur in Befehlsform) und/oder ein übermässiger Medien-konsum.

G. Hüter schreibt in seinem Buch „Wer wir sind und was wir sein könnten“: "Jedes Kind entwickelt in seinem Gehirn ein Sprachzentrum, doch die Fähigkeit zu sprechen und Gesprochenes zu verstehen, verdanken wir nicht diesem Sprachzentrum, sondern dem Umstand, dass Eltern  normalerweise mit ihren Kindern sprechen. Je nachdem wie viel und wie  komplex der verbale Austausch verläuft, entwickeln sich die entsprechenden Hirnregionen mehr oder weniger.


In Untersuchungen wurde festgestellt, dass die durchschnittliche Dauer dieser verbalen Kommuni-kation in Deutschland auf weniger als 10 Minuten pro Tag   gesunken ist. Es ist also nicht ver-wunderlich, dass dieser Umstand nicht folgenlos für die Kinder bleibt, die Armseligkeit dessen, was in diesen 10 Minuten ausgetauscht wird, trägt ihren Teil noch dazu bei."

Gemäss Remo Largo braucht ein Kind täglich etwa 3 Stunden persönlichen sprachlichen Austausch, um eine Sprache lernen zu können.

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